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11:17 | 18.06.2019
Gewinnwarnung: Siltronic-Aktie massiv unter Druck

Der Handelskrieg zwischen den USA und China hinterlässt auch bei deutschen Unternehmen immer mehr Spuren: Siltronic muss bereits zum zweiten Mail im laufenden Jahr beim Ausblick zurückrudern. Die weltweiten Unsicherheiten und die Exportbeschränkungen der US-Regierung gegenüber chinesischen Technologiekonzernen lasten auf der Nachfrage in der Branche, teilte das Management des Herstellers von Wafern für Halbleiterunternehmen mit. Die bereits im April gesenkten Umsatz- und Gewinnziele dürften daher kaum noch erreicht werden. Für den Aktienkurs zeichnet sich eine Fortsetzung der Talfahrt ab.

Die Papiere knickten am Vormittag um rund 15 Prozent ein – die Aktie rutscht damit unter die 50-Euro-Marke und notiert so tief wie zuletzt im Jahr 2017. Seit dem Rekordhoch von 160,55 Euro im März 2018 hat der Titel damit mehr als zwei Drittel seines Wertes verloren. Damals boomte die Chipbranche. Seither bekommen Chiphersteller aber die träge Nachfrage etwa aus der Autobranche, von Smartphone-Herstellern und der Industrie zu spüren.

Der US-chinesische Handelskonflikt belastet zusätzlich. So sitzen viele Halbleiterunternehmen, die die Wafer – kleine runde Scheiben aus Silizium – von Siltronic zu Computerchips verarbeiten oder die Chips in elektronischen Geräten verbauen, in China. Das wohl prominenteste Beispiel: der Netzwerkausrüster und Smartphone-Hersteller Huawei stellt sich wegen der US-Sanktionen gegen ihn mittlerweile auf einen starken Geschäftsrückgang ein.

Siltronic rechnet in diesem Umfeld 2019 nun mit einem Umsatzrückgang um 10 bis 15 Prozent, nachdem bislang mit einem Minus von 5 bis 10 Prozent kalkuliert wurde. Beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sollen 30 bis 35 Prozent hängen bleiben, statt den bisher angepeilten 33 bis 37 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die Marge noch 40,5 Prozent betragen.

Neue Ziele deutlich unter den Analystenschätzungen

Angesichts eines Umsatzes von 1,46 Milliarden Euro im Jahr 2018 würde das operative Ergebnis 2019 auf Basis der neuen Prognosen zwischen 371 und 459 Millionen Euro liegen, nach 589 Millionen Euro im Vorjahr.

Der neue Ebitda-Ausblick liege deutlich unter der durchschnittlichen Analystenschätzung, obwohl die erneute Gewinnwarnung angesichts der Branchentrends insgesamt nicht ganz überrasche, erklärte ein Händler. Das Vertrauen der Anleger könnte so langsam Schaden nehmen, zumal es mit Blick auf die Geschäftsentwicklung offenbar noch kein Licht am Ende des Tunnels gebe.

Trotz der deutlichen Einbußen will Siltronic 2019 weiterhin einen Netto-Mittelzufluss erzielen. Dieser Netto-Cashflow soll nun aber rund 180 Millionen Euro (alt: minus 150 Mio. Euro) unter dem Vorjahresniveau liegen. Das entspräche letztendlich einem Jahreswert von rund 60 Millionen Euro und impliziert nach knapp 81 Millionen Euro im ersten Quartal ein Minus im restlichen Dreivierteljahr. 2020 soll der Netto-Mittelzufluss dann wieder deutlich steigen.

Mehr Details zur Geschäftsentwicklung der Wacker Chemie-Beteiligung dürften bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Geschäftsquartal am 25. Juli folgen. Wie bereits bekannt, dürfte der Umsatz im zweiten Jahresviertel deutlich unter dem der ersten drei Monaten liegen. Für das dritte Quartal rechnet Siltronic mit einem weiteren Rückgang. (dpa-AFX)

Foto © Siltronic


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