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20:31 | 17.06.2019
OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Im Sinkflug, Kommentar zur Lufthansa …

Börsen-Zeitung: Im Sinkflug, Kommentar zur Lufthansa von Heidi Rohde
Frankfurt (ots) – Nachdem es Lufthansa trotz Abstrichen durch die
Brüsseler Wettbewerbshüter gelungen war, signifikante Anteile der
Pleite gegangenen Konkurrentin Air Berlin zu übernehmen und damit den
Marktanteil der eigenen Low-Cost-Tochter Eurowings im deutschen und
europäischen Geschäft auszuweiten, kannte der Jubel der Investoren
keine Grenzen. Nach einem steilen Kursanstieg 2017 überflog die
Lufthansa-Aktie um die Jahreswende die 30-Euro-Marke. Der
Marktaustritt von Air Berlin nährte vor allem Hoffnungen auf eine
Preisberuhigung in den umkämpften Marktsegmenten der Kurz- und
Mittelstrecke.

Indes hatten sich die Anleger zu früh gefreut. Die ertragsstarke
Billigkonkurrenz zeigt sich entschlossen, ihr jeweiliges Stück aus
dem Air-Berlin-Kuchen mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Ryanair,
der letztlich die Konzernperle Niki zugefallen ist, kämpft mit
Niedrigstpreisen um Marktanteile im europäischen Kurztrip- und
Ferienverkehr und nimmt dafür im laufenden Geschäftsjahr auch einen
Gewinnrückgang in Kauf; Easyjet ist ebenfalls sehr preisaggressiv auf
den innerdeutschen Routen von und nach Berlin.

Die Lufthansa tut sich in diesem Gefecht schwer, denn die
Kostenschere zwischen Eurowings und den Wettbewerbern ist noch immer
groß, zumal die Sparmaßnahmen nicht im erhofften Tempo vorankommen.
Eine tragfähige Mischkalkulation aus höheren Erträgen im
geschäftlichen Vielfliegerverkehr und niedrigeren Einnahmen aus dem
preisbewussten Urlaubersegment hat die Tochter bisher offenbar nicht
gefunden. In der Folge muss Eurowings nicht nur den für dieses Jahr
avisierten Turnaround aufgeben, sondern traut sich auch keine
Prognose zu, wann dieser stattdessen erreicht werden soll.

Der Vertrauensverlust bei den Anlegern ist gravierend, zumal die
Auswirkungen des widrigen Preisumfelds im Konzern immerhin durch
geringere als zunächst kalkulierte Treibstoffkosten abgefedert
werden. In dieser Lage wird es nicht genügen, auf das langfristig
intakte Wachstumsprofil der Luftverkehrsbranche hinzuweisen, um der
Aktie neues Leben einzuhauchen. Denn kurzfristig drohen jenseits des
Erlösdrucks noch weitere Belastungsfaktoren, falls die diesjährige
Sommersaison in organisatorischer Hinsicht nicht wesentlich besser
läuft als letztes Jahr – und danach sieht es zumindest aus Sicht von
Experten nicht unbedingt aus.

Am Kapitalmarkttag in einer Woche muss der Lufthansa-Vorstand ein
überzeugendes Konzept vorlegen, wie Wachstum und Profitabilität
gesichert werden sollen, sonst wird sich der Sinkflug der Aktie
fortsetzen.

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